Noon moon
Tanja Roscic
Brauerstrasse 51
Bis 24. Dezember
Joël Meier Die junge Künstlerin Tanja Roscic lehrt in ihrer Solo-Ausstellung in der Gallerie Freymond-Guth eine surreale Biologie. Anhand pseudowissenschaftlicher Anschauungsmodelle und alchemistisch anmutender Skizzenhefte dokumentiert sie Entstehen, Metamorphose und Vergänglichkeit einer Spezies zwischen Mensch, Tier und Pflanze. Roscic entwirft ein bizarres Biotop, deren physiologische Gesetzmässigkeiten einerseits plakativ dokumentiert und andererseits mystisch verklärt werden. Die dadurch entstehende Gleichzeitigkeit von Physik und Metaphysik erzeugt den Spannungsbogen des Surrealistischen ebenso wie die Vereinigung von expliziter Materialität und organischem Anschein.
Tanja Roscic, „The Witch and The Philosopher’s Egg“ series, 2008. Installation View. Bild: Freymond-Guth.
Kreaturen werden getrennt, wieder vereint. Sehnen und Stränge verbinden. Roscics explorativen Werken liegt das Prinzip der Kausalität zu Grunde. Der Untertitel der Ausstellung, „The Witch And The Philosopher’s Egg“, stellt die existenzielle Frage – was war zuerst, Ei oder Huhn? – und verweist gleichzeitig auf die Unmöglichkeit deren restlosen Klärung. Zumindest mit Kenntnissen der modernen Biologie, Chemie und Physik. Roscic entwirft einen eigenen Approach an die Implikationen des Lebens. Doch auch ihr Ansatz kennt Regeln und ein kryptisches Zeichensystem für die Beschreibung ebendieser. Diese sind für die Betrachter der Ausstellung aber ebenso unverständlich wie die Herkunft und Funktionsweisen ihrer eigenen physiologischen Prozesse und die chemischen Formeln, die sie beschreiben.
Tanja Roscic, 7 Drawings from „The Witch and The Philosopher’s Egg“ series, 2008. Bild: Freymond-Guth.
Distanzierte menschliche Gesichter kontrastiert Tanja Roscic mit der Haptik papierner Streifen. Das dabei entstehende okkulte Moment eröffnet eine weitere Dimension im Spiel mit Organischem und Gegenständlichem. Ob die freistehenden, bemalten Köpfe Masken sind oder in ihrer Exponiertheit selbst Masken bedürfen, erklärt die mystisch-surreale Biologie Roscics nicht.
Tanja Roscic, untitled, 2008. Installation View. Bild: Freymond-Guth.
Parallel zur Einzelausstellung von Tanja Roscic ist die Diainstallation des zypriotischen Künstlers Christodoulos Panayiotou zu sehen. „If Tomorrow Never Comes“ zeigt Schwarz-Weiss-Bilder von Feuerwerken in Napoli, Italien. Quelle: Die Archive zweier lokaler Tageszeitungen. Das explodierende Schwarzpulver hoch über Häuser und Meer ist Höhepunkt der örtlichen Feste und gleichzeitig fatales Kommunikationsmittel der Camorra. Freude und Tod vereint in einem spektakulären Lichtspiel. Der ständige Wechsel der Diabilder verwischt und verfremdet die Grenzen zwischen Euphorie und Agonie – dass der nächste Morgen nicht kommen wird, wissen aber sowohl ekstatisch Feiernde als auch Opfer der Mafia.




3 Antworten bis hierher ↓
Andrea Langer // 12. Januar 2009 um 2:34 |
Super! Total interessant Euer Blog und diese Installation.
offoff // 10. September 2009 um 12:51 |
Die Schweiz sucht den neuen Kulturminister oder die neue Kulturministerin!
Die Vereinigung „OFFOF unabhängige Kunsträume Schweiz“ empfiehlt die Wahl von Frau Aurelia Fischli.
Wählen Sie Frau Fischli auf:
http://wahl09.kulturministerium.ch/election/34
Die elektronische Urne ist bis zum 20. September offen!
Oder machen Sie sich ein Bild unserer und der anderen KanditatInnen an den Wahlveranstaltungen in Ihrer Stadt:
Bern, Freitag, 11. September, 20 Uhr, Progr. Es moderiert Raphael Urweider.
Zürich, Samstag, 12. September, 20 Uhr, Rote Fabrik. Es moderieren Etrit Hasler und Kyros Kikos.
Neuchâtel, Dienstag, 15. September, 20 Uhr, Musée d’ethnographie. Moderation: Thierry Luterbacher.
Luzern, Mittwoch, 16. September, 19.30 Uhr, Südpol. Es moderiert Philippe Bischof.
Basel, Donnerstag, 17. September, 20 Uhr 15, Kaserne. Es moderieren Krneta, Greis & Apfelböck.
Was ist das kulturministerium.ch?
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der Künstlerschaft in der Schweiz zusammen.
Marc // 19. Oktober 2009 um 6:41 |
Wer zu spät kommt… schade, verpasst, um beinahe ein Jahr. Lasst mich wissen, wenn’s mehr gibt.