Die Basis des Make-ups

Neue Schwarze Blöcke
Heinz Emigholz
Galerie Hubert Bächler, Müllerstrasse 47

Bis 12. April 2008.

Elena Richter Der erste Gedanke, der mich beim Betrachten der Bilder des berliner Künstlers, Filmemachers und Autors Heinz Emigholz befiel, war „Da will uns einer eine versteckte Warnung zukommen lassen à la Wenn ihr euch nicht schleunigst ändert, geht die Welt unter.“ Gezeigt werden sechzig Schwarz-Weiss-Bilder, die wie skizzierte Traumsequenzen, verschlüsselte Botschaften oder einfach schwer lesbare Comics wirken. Im Tumult der einzelnen Bilder sieht man Elemente wie ein Skelett, das Wasser aus Krügen ausgiesst, Hunde, die die Sehnen aus dem Gesicht eines Mannes ziehen und eine Waldlandschaft mit dem Titel „This is ID“. Was fängt man nun damit an? Obwohl „die einzelnen Zeichen an sich klar sind, bleibt der Inhalt trotzdem ein Geheimnis“, wie Galerist Hubert Bächler an der Vernissage der Ausstellung „Neue Schwarze Blöcke“ sagte.

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Heinz Emigholz, Neue Schwarze Blöcke, 2008. Bild: Elena Richter

Neben den Bildern an den Wänden präsentiert die Ausstellung auch einen grossen, roten Teppich und die Filme „Die Basis des Make-ups I-III“ von Emigholz. Der Teppich zeigt die Einbände von Emigholzs 42 Notizbüchern (die ein Besucher als „verkryptete Schriften“ bezeichnet hat), die in den drei Filmen im Zeitraffer, versetzt mit Zeichnungen aus der Serie „Die Basis des Make-ups“, durchgeblättert werden. Das ist alles. Es wird geblättert und der Zuschauer schaut. Am Schluss darf er sich selbst einen Sinn aus dem Gesehenen heraussuchen. Genau wie bei den Bildern an den Wänden. Was auffällt ist, dass sämtliche Bilder einmal positiv und einmal negativ gezeigt werden. Das dient dem Aha-Effekt, dem Das-habe-ich-doch-schon-mal-irgendwo-gesehen-Effekt. – Aber gibt es da noch mehr als nur Effekt? Selbstverständlich, beantwortet Emigholz meine Frage, in jedem einzelnen Bild befindet sich eine Geschichte. Stellt man mehrere Bilder zusammen, ergibt sich eine neue Geschichte. Und was für eine Geschichte? Das muss jeder für sich selbst herausfinden.

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Heinz Emigholz, Neue Schwarze Blöcke, 2008. Bild: Elena Richter

Vielleicht kann Herr Emigholz mir dann zumindest den Titel der Ausstellung „Die Basis des Make-ups“ erklären? Gelesen hatte ich nämlich, dass die einzelnen Zeichen der Bilder (die Skelette, etc.) die Grundlage/Basis des gemachten Ganzen (= Make-up) bilden. Nein, lacht Emigholz, die Erklärung ist viel einfacher. Vor Jahren fand er das Bild eines Totenkopfes mit der Überschrift „Die Basis des Make-ups“, was ihm sehr treffend schien, da der Schädel ja tatsächlich die Grundlage dafür bildet, Make-up auftragen zu können. Interessant. Und was hat das mit der Ausstellung zu tun? Ganz einfach. Emigholz geht mit seinen Bildkompositionen den Dingen auf den Grund, er stösst bis zum Knochen vor.

Heinz Emigholz

Der Künstler Heinz Emigholz bei der Ausstellung Neue Schwarze Blöcke, 2008. Bild: Elena Richter

Jeder, der gerne puzzelt und rätselt, sollte sich die Ausstellung also auf keinen Fall entgehen lassen. Und wer nach dem Besuch nicht genug hat, kann vor Ort das Buch mit dem Totenkopf auf dem Cover kaufen, das um einiges mehr Bilder als ausgestellt beinhaltet. Zuschlagen lohnt sich.

Katalog: exklusiv während der Ausstellung für 20 Franken erhältlich. Später 40 Franken.

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