Verborgene Geheimnisse

Disguised
Melanie Bonajo, Kinga Kielczynska, Heidi Bucher, Laylah Ali, Yael Davids
Rotwand, Rotwandstrasse 53
Bis 9. Mai


Fabienne Leisibach
Unter dem Namen „Disguised“ zeigt die Galerie Rotwand Arbeiten von fünf Künstlerinnen, die ihren gemeinsamen Nenne
r nicht auf den ersten Blick preisgeben. Die unterschiedlichen Positionen erfordern vom Betrachter, dass er in die geschaffenen Universen eindringt, ihre Geheimnisse enthüllt.

Bonajo/Kielczynska

Melanie Bonajo, Kinga Kielczynska, Metamemory, 2007, Bild: Rotwand.

Eine surreale Traumwelt schaffen die beiden Künstlerinnen Melanie Bonajo (*1978, Heerlen) und Kinga Kielczynska (*1972, Warschau) in ihren Fotografien. Ihr gemeinsames Projekt „Modern Life of the Soul“ dokumentiert die Existenz eines fiktiven Kultes an der Ostgrenze Polens. Die Anhänger stellen sich gegen Darwins Evolutionstheorie, deren Leitsatz „survival of the fittest“ unsern Alltag in allen Lebensbereichen durchdringt. Von den Pflanzen stammen die Menschen ab, so die These der Kultanhänger, die das Rousseausche „retour à la nature“ in einem wörtlichen Sinn umsetzen und zurückgezogen im Wald leben. Als Betrachter wird man in die Welt des Naturkultes einbezogen. Das Bild „Metamemory“ vermittelt den Eindruck, als müssten sich die Augen zuerst an das Dunkel der Nacht gewöhnen, bevor noch etwas unscharf eine nackte, aus dem Wasser steigende Nymphe entdeckt wird. Das Publikum wird zum Voyeur, der den Geheimnissen des Kultes auf die Schliche kommt.

Bucher

Heidi Bucher, Negligé, ca. 1979, Bild: Rotwand.

Heidi Bucher (*1926 Winterthur, † 1993 Brunnen) widmet sich in den vier spannenden Arbeiten, die über den gesamten Galerieraum verteilt sind, der Tätigkeit des Ver-, und nicht des Enthüllens. So wurden ein Bettlaken, ein Kissen, ein Negligé und gar ein ganzes Fenster in Latex getaucht und so konserviert. Die Zeit scheint gestoppt. Die Geschichten, die mit den Objekten verbunden sind, wurden eingefroren. Als stumme Beweisstücke zeugen sie von Privatem, das sich verborgen hinter den eigenen vier Wänden abspielt.

Ali

Laylah Ali, Untitled (from Typology series), 2005, Bild: Rotwand.

Die drei aufwändig angefertigten Tuschezeichnungen der Künstlerin Laylah Ali (*1968, Buffalo) scheinen ebenfalls Geschichten zu verbergen. Träger sind jedoch nicht wie bei Bucher konservierte Objekte, sondern androgyne Figuren, welche die typische Rollenverteilung der Geschlechter in Frage stellen. Trägt hier ein Mann oder eine Frau das Kind auf dem Rücken? Wurde einer der Protagonisten ein Opfer von Gewalt? Die exotisch stilisierten Gestalten lassen Schicksale erahnen, jedoch nicht benennen.

Davids

Yael Davids, Face, 2001, Bild: Rotwand, Akinci.


Eine humorvolle Herangehensweise an das Thema zeigt Yael Davids (*1968, Kibbutz Tzuba) in ihrer Videoarbeit „Face“. Langsam dreht sich das Haar einer jungen Frau um ihr Gesicht, verdeckt es schliesslich ganz, um ihr kurz darauf den Blick wieder freizugeben. Verwirrt bleibt das Publikum ob der ungewöhnlichen Darbietung stehen. Sichere Werte wie hinten und vorne, richtig und falsch, scheint dieses kleine Werk zu hinterfragen. Denn wie kann man je sicher sein, wenn das Video bei einer 180° Grad Drehung stoppt, ob die Person gerade von hinten oder von vorne betracht wird?

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