Charakteristische Ungewöhnlichkeiten

urban micro
Hansjörg Steinmann
KunstRaum R57, Röschibachstrasse 57
Bis 18. April (Finissage 17 – 21 Uhr)

Joël Meier Unstimmigkeiten, Abweichungen, Unerwartetes und Widersprüchliches in Details lassen auf die Wesenheit grösserer Zusammenhänge schliessen; kleinste Elemente eines Mikrokosmos rekurrieren auf deren Makrokosmos; „im Kleinen das Grosse“. Dies sind die Grundgedanken hinter Hansjörg Steinmanns Ausstellung „urban micro“ im KunstRaum R57.

Hansjörg Steinmann, aus der Serie „Urban Micro“. Bild: R57

Hinter Steinmanns auf den ersten Blick beliebig wirkenden Motiven steckt mehr. Die Details von Rohren, Schildern, Fassaden haben verweisenden Charakter. Durch die Einschränkung des Blickfelds und das Weglassen von Information wird der städtische Mikrokosmos in Steinmanns Bildern in den Fokus gerückt und somit – dem Prinzip der fraktalen Selbstähnlichkeit folgend – in einen Dialog mit makroskopischen Gegebenheiten gestellt. So macht der gelernte Landschaftsarchitekt die Stadt als Ganzes wahrnehmbar: er reduziert die gewaltige Flut an Reizen auf für ihn charakteristische Ungewöhnlichkeiten.

Hansjörg Steinmann, aus der Serie „Urban Micro“. Bild: R57

Ausschlaggebend für die Fotostrecke war eine Entdeckung, die der Künstler und bekennende Fussgänger nur wenige Meter entfernt vom jetzigen Ausstellungsort machte. Ein Verkehrsschild hing verkehrt an einem Gitter. „Weshalb hat der Hauswart das Schild falsch aufgehängt?“ fragt Steinmann. „Dahinter steckt eine Geschichte“. Und tatsächlich: Viele Bilder implizieren einen Kontext, der nur imaginativ konstruiert werden kann. Wer hat die knallrote Matratze auf die Strasse gelegt? Wurde das kleine Pflänzchen am Fuss der Treppe bewusst stehen gelassen? Steinmann fängt nicht nur auffallende Rohre, Schilder, Fassaden ein sondern primär deren Geschichten. Geschichten zum Beispiel des Respekts. Ein Wert der Steinmann gerade im Kleinen sich spiegeln sieht.

Hansjörg Steinmann, aus der Serie „Urban Micro“. Bild: R57

Im Kleinen findet auch die Präsentation der digitalen Fotografien statt. Der KunstRaum R57 an der Röschibachstrasse ist nur 18 m_ gross. „urban micro“ ist damit gewissermassen ein Mikro im Mikro. Es ist weniger ironisch als eine Sache der Perspektive, dass sich momentan gerade im kleinen R57 die Stadt auf eine sehr interessante Weise erfahren lässt.

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