Archäologische Scherzsuche

Sind zwei eine Gruppe
Jason Klimatsas & Niklaus Rüegg
Les Complices*, Anwandstrasse 9
Bis 1.Mai 2008, Finissage + Katalogpräsentation 14 – 18h

Annika Schwenn Zwischen der Erkundung der Herkunft des Aprilscherzes und einer möglichen Antwort auf die Frage, ob zwei denn nun eine Gruppe seien, bewegt sich die am 1. April eröffnete Ausstellung im Kunstraum für zeitgenössische Kunst Les Complices*. Auf intelligente Weise verbinden die beiden Künstler, Jason Klimatsas und Niklaus Rüegg, das Galeriekonzept der Komplizenschaft mit ihrer augenfälligen Gemeinsamkeit: dem Humor. Dieser wirkt sich erbaulich in doppelter Hinsicht aus.

Während die Zusammenstellung der multimedialen Werke zunächst eher Fragen aufwirft, anstatt Klarheit in den Scherz zu bringen, werden die zarten Netze zwischen den Gedankenbauten gerade durch ihre scheinbar komplementäre Natur immer mehr zu festen Brücken, je stärker man ihre Bauweise fokussiert. Letztlich scheint es bei allen Objekten um Architektur und Archäologie zu gehen – thematisch wie didaktisch. Und so wird auch der Besucher zum Erbauer von Ideen und zum Erforscher tiefer liegender Bedeutungsebenen.

Jason Klimatsas, Ohne Titel, 2008, Beton/Metall/Holz. Bild: Annika Schwenn

Die allein durch ihre räumlichen Ausmasse zentrale und prominent im Eingang positionierte Skulptur von Klimatsas ist zugleich Architektur, Mobilar, Kunstobjekt und sperriger Betonklotz und wirkt so programmatisch als tonangebendes Werk der Ausstellung. Aus einzeln gegossenen Betonplatten auf einem Gerüst aus Holz und Metall konstruiert und durch eine seitliche Treppe ergänzt, erinnert es neben den berüchtigt-umstrittenen massiven Betonkonstruktionen Zürichs auf sonderliche Weise an griechische Tempelgebäude. Jedoch erfüllen die tischähnlichen Elemente keinerlei ersichtliche Funktion.

Jason Klimatsas, Ohne Titel, 2008. Hologrammpostkarten auf Karton. Bild: Annika Schwenn

Dieses Rätsel löst sich im Nebenraum in Form eines Arrangements von Postkarten mit Hologrammen von antiken Tempeln, die beim Wechsel des Blickwinkels ad hoc zu Ruinen werden. Die kitschigen Relikte aus der Welt des Massentourismus fungieren als ironischer „Wink mit dem Betonpfeiler“ auf unsere Wahrnehmung von scheinbar unzerrüttbaren Grundfesten; ob im gesellschaftlichen oder kulturellen Bereich. Ein kleiner Schritt zur Seite, und der Koloss ist dahin. Die Absurdität dieses Bildes erinnert nicht wenig an Fischli/Weiss, die auf ähnlich groteske Weise mit Objets trouvés arbeiten, die aus dem Brockenhaus stammen könnten.

Niklaus Rüegg, „Liebe Tür..“, 2008, Edding auf Tür. Bild: Annika Schwenn

Rüeggs Reaktion auf diese Konstruktionen wirkt zunächst sowohl ästhetisch als auch inhaltlich sehr fern. Lässig lehnt die Tür, immerhin auch ein Objet trouvé, an der Wand und erst auf den zweiten Blick erkennt man die persönliche Notiz, die der Tür selbst gewidmet ist. Die Spontaneität, die ebenso durch das Wörtchen „unerwartet“ wie auch die Flüchtigkeit, in der der Text dahingeschmiert ist, ausgedrückt wird, passt scheinbar gar nicht mit der sprichwörtlichen Härte und Stabilität des Beton zusammen. Doch bietet die Tür wiederum klassischerweise den Eintritt in ein Gebäude und somit, wie eine Brücke, Zugang zur anderen Seite, den Weg ins Innere. Das Bedürfnis nach Verständnis ist allzumenschlich, und das Schreiben ein beliebtes Mittel zu diesem Zweck. Solch tiefschürfende Erkenntnisse, die stark an Erwin Wurms pseudophilosophische Kritzeleien auf Holzwänden erinnern, schlicht verpackt in nebensächliche Banalitäten, machen den subtilen Reiz dieser Ausstellung aus und spannen den Bogen vom ernsten Umgang mit den Kunstgattungen Architektur, Skulptur und Malerei hin zur lockeren Herangehensweise an Kunst, die auch einfach Spass machen darf.

– Ausstellungstext auf likeyou.com

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