Malerei in allen Medien

2, Trojan Horse
Swantje Hielscher & Kristoffer Akselbo
BolteLang, Limmatstrasse 214
10. April bis 17. Mai 2008

Annika Schwenn Totgesagte leben länger… Dieses angestaubte Sprichwort scheint auf die Malerei immer wieder zuzutreffen. Es muss ja nicht immer auf der Leinwand sein – wie im Fall von Swantje Hielscher, die derzeit mit Kristoffer Akselbo in der Galerie BolteLang ausstellt. Wenn es auch erst die zweite Ausstellung der in diesem Jahr neueröffneten Galerie ist und die Arbeiten der beiden Künstler zunächst von Grund auf verschieden wirken, wird das Konzept der „two-person shows“ nach genauerem Hinsehen bald ersichtlich.

Hielschers Objekte sind in den Medien der Malerei, Skulptur und Installation ausgeführt, wobei es in jedem Stück um die Malerei an sich geht, als klassische Kunstgattung, die auf verschiedenste Arten thematisiert werden kann.

Swantje Hielscher, Light fast deep glaze / Flood in Flood out, 2007, Bild: BolteLang.

Raumgreifend empfängt das erste Werk die Eintretenden, wie der Vorraum eines eleganten Büros. Minimalistisch, und schwarz-weiss nur in der Farbigkeit, wirkt das Arrangement aus zwei quaderförmigen Säulen, auf denen Bleistifte in der komplementären Farb so wie auf einem Rednerpult angeordnet sind, dass man am liebsten nach ihnen greifen möchte. Die Wand hinter dem Podest ist jeweils in derselben Farbe gestrichen, wodurch die Anordnung eine edle Ästhetik ausstrahlt. Die Assoziationen beim Betrachten der Stifte variieren je nach Distanz: je weiter man von den Pfosten entfernt ist, desto mehr erscheinen sie wie der geschriebene Text auf einem DIN A4 Blatt, der darauf wartet, vorgelesen zu werden.

Swantje Hielscher, Window I, 2008, Bild: BolteLang.

Raumfassend ist auch Window I, das auf raffinierte Weise den Innenraum mit dem Äusseren verbindet. So ist die Installation das eigentliche Werk, das jeder Passant ansehen kann, ohne die Galerie zu betreten. Ein humorvoller Wink auf die häufig bestehenden Hemmungen, sich in einen Kunstraum wie in die Höhle des Löwen zu begeben. Die Spiegelung reflektiert also nicht nur den Aussenbereich und macht so durch das vermeintliche Fenster ins Innere neugierig, sondern bespiegelt, in Form der Farbpalette, die sich als Motiv wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht, auch die Welt der Kunst an sich. Was wird von der zeitgenössischen Kunst erwartet, wie soll sie mit Vergangenem umgehen, welche Rolle spielt die Malerei heute?

Swantje Hielscher und Kristoffer Akselbo, Installation View, 2008, Bild: BolteLang.

Der Verweis führt sich im Innenraum fort, wo direkt neben einem Durchgang ein schwarzer Holzrahmen der Wand vorgestellt ist, der das Tor genau umgeben könnte. Sein Inhalt ist jedoch die weisse Wand – nicht mehr und nicht weniger. Wieder kommen Erinnerungen an minimalistische Positionen auf, angefangen beim weissen Quadrat von Malewitsch. Der Durchbruch fungiert seinerseits als Rahmen, indem er den Blick auf zwei weitere Paletten freigibt, die wiederum den Torrahmen widerspiegeln – und fast übersehbar ein Detail: ein eher zufällig wirkendes Spinnennetz aus Kleber, das Akselbo scherzhaft an der Wand montiert hat. Der ironische Link zur scheinbaren Wahllosigkeit mancher Kunstobjekte leitet geradewegs zu seinen anderen Beiträgen weiter.

Kristoffer Akselbo, The L.H.O.O.Q. Toaster, 2008, Bild: BolteLang.

Kunst im Spiegel der Kunst im Spiegel der… Das Spiel liesse sich endlos weiterführen. Angefangen bei da Vincis Mona Lisa, über Marcel Duchamps Persiflage der Joconde mit der kodierten Anmerkung, dass sie einen „heissen Arsch“ habe, bis hin zu Askelbo, der der Ikone nun tatsächlich Feuer unterm Hintern macht. Dazu spiegelt sie sich auf der metallenen Oberfläche des Toasters und fügt sich somit auch in Hielschers Fenster ein. Askelbos Werke stecken voller Witz und Anspielungen auf Phänomene der Kunstgeschichte und das kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft. Sie funktionieren durch ein Moment der Unklarheit, der sich beim zweiten Hinsehen auflöst und eine Beobachtung freilegt, die sich wie das Heer im Trojanischen Pferd versteckt hielt.

Die zwei Künstler treffen sich folglich in der Selbstreflexivität ihrer Kunst, wobei sich die Ästhetiken stark unterscheiden. Während Hielschers Werke purer, punktierter und feinfühliger wirken und eine schlicht-kühle Ausstrahlung haben, erscheint Akselbos Arbeitsweise, trotz Überraschungseffekten, einseitiger und abhängiger von bisherigen Strömungen, auf die er sich offensichtlich bezieht. Der Witz seiner Arbeiten kann nicht lange über den Moment hinaus faszinieren und bewegen, wogegen die Aura von Hielschers Kunst weit über den Ausstellungsbesuch erhalten bleibt und zu neuen Gedanken anstösst.


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2 Antworten zu “Malerei in allen Medien

  1. Die website von Swantje Hielscher heißt http://www.swantjehielscher.de – weitere Werke sind unter http://www.artnews.org/swantjehielscher zu sehen. (Die im Artikel verlinkte Seite ist nicht mehr aktuell.)

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