Mehr als die Summe aller Teile

Cutbilder – Pascale Mantovani
KunstRaum R57,
Röschibachstrasse 57
Bis 30. Mai (Finissage ab 17 Uhr)

Nicole Isele Cutbilder – gewiss eine nicht ganz gewöhnliche Art Kunst zu machen: Auf Basis von feinen Tuschezeichnungen schneidet Pascale Mantovani Figuren und Motive aus. Was sie daran reizt: „Das Messer, das durch das Papier fährt.“ Es ist das Paradox, mit einem auf den ersten Blick zerstörerischem Werkzeug auf einem schwarzen Blatt Papier so viel Aussage, einen solchen Facettenreichtum zu arrangieren.
Pascale Mantovani, Cutbild. Bild: R57

Man betritt den Raum der Galerie R 57 – 16 Quadratmeter höchstens – und befindet sich inmitten Mantovanischer Wald-Nacht-Szenen. Die Bilder hängen dicht an dicht. Es ist eine Ambivalenz von Enge und Weite: zwischen Galerie und den einzelnen Schnitten, aber auch innerhalb der Waldbilder.
So schreibt Mantovani selbst in ihrem Kommentar zur Ausstellung: „Der Wald, das ist ein dichter, geheimnisvoller, aber auch durchlässiger Raum“, – ein Spektrum von Möglichkeiten, von Zusammenspielen.
Das Grobe, Rohe der Bäume, das auf das Filigrane, Ziselierte trifft, dynamisiert die Kunstwerke. Im Zusammenspiel mit Licht und Schatten, der weissen Wand und den schwarzen Konturen sind es Grautöne, die entstehen und der Schablone Tiefe geben, jene beinahe zum Leben erwecken. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Märchenhaft muten die Bilder an. Der Kontrast von schwarz und weiss suggeriert etwas Mystisches. Immer wieder enthüllt sich Neues aus der Unergründlichkeit des Dickichts heraus. Tiere, Menschen, Moos…
Erstaunlich ist insbesondere, wie aussagestark die Menschen im Wald daher kommen. Obwohl ihnen mit dem Messer nur schemenhaft Charakter durch Mimik und Gestik einverleibt werden konnte, offenbart sich dem Betrachter ihr Gemütszustand stets aufs Deutlichste.

Bei den Bildern wirken Begrenzung und Unendlichkeit ineinander. Was jene deshalb verlangen ist Raum, denn sie sind Raum. Zwar entsteht durch die räumliche Enge in der Galerie R 57 eine spezielle Stimmung, man fühlt sich gleichsam wie im Wald, doch besteht die Tendenz, dass man vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sieht. Weniger Bilder oder aber eine größere Fläche würde die Wirkung forcieren.

Die Künstlerin hat die Figuren auch vom Wald losgelöst. Vereinzelt hängen Personen, in Ecken versteckt Vögel an der Wand. Ein Werk, zwei offensichtlich junge, sich räkelnde Menschen, besticht mit der Jugendlichkeit, die es ausstrahlt. Bei genauerem Hinsehen mag man vielleicht sogar Jeans tragende Teenager erkennen… Das hat ganz und gar nichts mehr mit altbackener Spitzenschneiderei zu tun, wo die Technik Mantovanis ihren Ursprung hat. Längst ist die Künstlerin darüber hinausgewachsen.
Über die Faszination für Spitzen sagt sie: „Sie müssen ein zusammenhängendes Ganzes sein, sind aber durchbrochen.“ Der Mut den Durchbruch des Ganzen zu wagen, wird mit einer so eigenen Art von Kunst und dazu einer gelungenen Ausstellung gezollt. Mantovani: „Es liegt ein Zauber darin.“

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