Zwischen Realität und Fiktion

Hannu Karjalainen, Lovisa Ringborg
Rotwand Gallery, Rotwandstrasse 53
Bis 28. Juni

Rahel Klauser Die Schwedin Lovisa Ringborg und der Finne Hannu Karjalainen untersuchen mittels der Medien Fotografie und Video die Grenze zwischen Realität und Fiktion und entführen den Betrachter in eine skurrile und spannende Welt. Die Galerie Rotwand präsentiert in einer schönen und stimmigen Ausstellung einige interessante Werke der beiden skandinavischen Künstler.

Ringborgs Werk “Cocoons” (2007) zeigt zwei Babys, eingewickelt in weisse Tücher, die an kleine Babuschkas oder Raupen erinnern. Auf dem tiefschwarzen Hintergrund treten die Winzlinge deutlich zum Vorschein. Die Augen sind geschlossen, sie scheinen friedlich zu schlafen. Das Bild irritiert. Handelt es sich um Zwillinge? Die beiden sehen sich sehr ähnlich, sind fast identisch. Jedoch: Während beim einen Baby der rechte Nasenflügel etwas grösser ist, ist es beim anderen der linke. Dasselbe gilt für die Brauen und Mundwinkel, alles ist absolut symmetrisch. Bei der genaueren Betrachtung wird klar: das Bild ist spiegelverkehrt, es handelt sich um ein und dasselbe Kind. Ringborg, ursprünglich eine Malerin, lässt in ihren inszenierten Bildern die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion verschwinden und sucht dabei oft die Anlehnung an Werke früherer grosser Maler. Gemäss den beiden Galeristinnen wurden die Werke in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin so ausgewählt, dass jedes Bild für sich eigenständig betrachtet werden kann und trotzdem ein harmonisierendes Ganzes entsteht. Die Wahl fiel auf jene Bilder, welche eine besondere Faszination ausgeübt haben.

Auch “The chosen one” regt zum Nachdenken an. Im Vordergrund steht ein weisses Schaf, dem ein dickes rotes Kreuz aufgemalt wurde. Im Hintergrund ist die restliche Herde zu sehen, die Schafe befinden sich auf einer saftigen grünen Wiese. Warum ist das Schaf auserwählt? Wird es zur Schlachtbank geführt? Dafür scheint es fast zu anmutig, es wirkt elegant und stolz und seine Augen blicken den Betrachter direkt und herausfordernd an. Weshalb es auserwählt wurde, wird somit dem Betrachter überlassen und jeder kann seine eigene Geschichte dazu erfinden.


Lovisa Ringborg, The chosen one. Bild: Rotwand Gallery

Bei “Holding Breath” wird die Grenze zwischen Realität und Fiktion besonders deutlich. Ein Mädchen, dessen Haare mit schwarzen Bändern zu Zöpfen geflochten sind, steht bis zur Hälfte des Gesichts im Wasser, ihre Augen sind geschlossen. Dort, wo sonst immer ein klarer Horizont zu sehen ist, verschwimmt die Grenze zwischen Wasser und Himmel, der Übergang ist fliessend. Die präsentierten Werke von Lovisa Ringborg stammen allesamt aus den beiden Serien “Wonderland” und “The Limbo Pictures”.

Lovisa Ringborg, Holding Breath. Bild: Rotwand Gallery

Das Video “Surfer” (2008) des jungen Künstlers Hannu Karjalainen ist nicht minder faszinierend, auch wenn es nur wenige Minuten dauert. Der Betrachter blickt auf ein Wellenmeer, auf weisse Schaumkronen und unruhige Wellenbewegungen. Die Bilder sind leicht verschwommen und unscharf. Dann bricht eine riesige Welle, und links im bild taucht kurz ein umgekipptes Surfbrett auf, allerdings ohne den dazugehörigen Surfer. Die Szene wird akustisch effektvoll mit einem lauten Rauschen untermalt. Ebenso schnell verschwindet das Surfbrett wieder und das Bild kehrt zu den Wellenbewegungen zurück. Die Naturgewalt des Wassers wird dem Betrachter eindrücklich vermittelt.

Hannu Karjalainen, Surfer. Bild: Rotwand Gallery

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