Pyrotechnische Experimente

Äther & Phlogiston
Raphael Hefti
Artrepco Gallery, Ankerstrasse 24
Bis 6. Dezember


Rahel Klauser In der Artrepco ist aktuell die Ausstellung „Äther & Phlogiston“ von Raphael Hefti, der sich in den vergangenen Jahren mit der Geschichte des künstlichen Lichts in der Fotografie befasste, zu besichtigen. Die Werkgruppe zeigt auf Barytpapier abgezogene Fotografien, eine grossformatige Nachtaufnahme, einen Film und eine Installation. Die sehr technischen und zugleich ästhetischen Werke machen deutlich, welch ein aufwändiges Verfahren hinter Hefti’s Arbeit steckt.
(c) Raphael Hefti/courtesy Artrepco Gallery (c) Raphael Hefti/courtesy Artrepco Gallery

12 von den insgesamt 17 auf Barytpapier abgezogenen Aufnahmen sind in der Galerie Artrepco zu sehen. Sie zeigen die Vorbereitungsarbeiten und den fotografischen Prozess. Sehr technisch und aufwändig wirken die Instrumente und das Zubehör, welche auf den Schwarzweiss-Fotografien abgebildet sind. Vor rund drei Jahren begann der junge Künstler Raphael Hefti, 1976 in Boudevilliers NE geboren, sich mit mechanischen Pulverblitzlichtern zu beschäftigen und diese für seine Zwecke zu verwenden. Er beleuchtete damit ganze Landschaftsstriche.
Verschiedenste Chemikalien erreichen dank ausgemusterten Militärraketen eine sehr intensive und grossflächige Leuchtkraft, die bis zu 30 Sekunden andauert. Das Resultat sind Fotografien im Grossformat mit einer starken Atmosphäre, eine davon ist in der Artrepco zu besichtigen: Eine Nachtaufnahme einer Lichtung oder Wiese, in der Mitte liegen gefällte Bäume aufeinander, wie für ein 1.-August-Feuer präpariert, die weissen Lichtblitze am Rand des Bildes wirken wie zähe Nebelschwaden. Die Bäume ringsherum und die Wiese sind stark erhellt, als hätte Hefti einen Scheinwerfer darauf gerichtet. Der dunkle Hintergrund hebt sich klar davon ab. Die Wirkung ist leicht mystisch und trotzdem „heimelig“, was möglicherweise an den vertrauten Sujets liegt. Die Herstellung einer solchen Nachtlandschaft ist sehr aufwändig: Ein Team von bis zu 12 Leuten steht dafür bis zu zehn Stunden im Einsatz.
(c) Raphael Hefti/courtesy Artrepco Gallery

(c) Raphael Hefti/courtesy Artrepco Gallery

Der Film in der Ausstellung zeigt, wie der Künstler eine Gebirgswand erleuchtet. Am Anfang ist sich der Betrachter noch nicht sicher, was im Hintergrund zu sehen ist, erst als die Leuchtrakete gezündet wird, erkennt man den Fels. In seiner Serie „Disco“ (2006, nicht in der Artrepco zu sehen) zeigte Hefti ebenfalls eine Serie von Bergbildern. Damals hielt er die Kamera während militärischen Schiessübungen in den Schweizer Berger auf durch Leuchtbomben erhellte Gebirge gerichtet. Er begann sich für die Technik zu interessieren und baute später selber eigens entwickelte Konstruktionen.

Raphael Hefti war u.a. an der Gruppenausstellung „In den Alpen – ein Panorama“ im Jahr 2006 im Kunsthaus Zürich beteiligt. 2003 gewann er für seine Arbeit den Fotopreis „the selection, vgf“ und 2005 wurde er mit dem Fotopreis Image06 „Jeunes Talents“ in Vevey ausgezeichnet.

Advertisements

2 Antworten zu “Pyrotechnische Experimente

  1. Diese grossformatigen Projekte, auf Baryt, werden leider aussterben, auch mit den digitalen Baryt-Möglichkeiten. Ich bin gespannt, wenn man wieder etwas vom Marc Hefti hört.

  2. Raphael Hefti. Du bist Marc, Marc.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s